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Der Karneval in Venedig

Venedig ist der Karneval? Nein, meine Damen und Herren: Der Karneval ist Venedig!

Der Karneval in Venedig gehört zu den wichtigsten Veranstaltungen der Stadt mit Musik, Maskenbällen und kostümierten Venezianern, Touristen und Schaulustigen. Der Karneval dauert ungefähr zehn Tage und fällt in die Zeit vor Ostern. Am Donnerstag und Dienstag vor Aschermittwoch, den letzten Tagen des Karnevals, erreicht der Karneval seinen Höhepunkt, Touristen und Einheimische beleben jeden Winkel der Stadt, Gassen, Stadtviertel, Brücken und Plätze mit theatralischen und musikalischen Veranstaltungen.

Organisiert und finanziert wird die international bekannte Veranstaltung zum großen Teil von der Gemeinde Venedig, dem Theater La Fenice, der Biennale und dem Amt für Tourismus, und ist seit Jahrzehnten die größte Touristenattraktion in Venedig. Die Sponsoren, das Fernsehen und Kulturstiftungen geben ihren Beitrag zur weltweiten Verbreitung des Phänomens und unterstützen das Prestige.

Die langjährige Tradition des Karnevals geht auf das Jahr 1094 zurück, in der Vergangenheit dauerten die Feierlichkeiten mehrere Monate lang. Nach dem Untergang der Republik Venedigs 1797 geriet der Karneval in Vergessenheit und wurde erst 1979 wieder neu belebt (dabei wurden die Tage der Feierlichkeiten stark reduziert) und hat sich bis heute erhalten.

Im Becken der Lagune vor dem Markusplatz spiegeln sich im Wasser Lichter, Farben, Paillettes und Glitzerzeug. Zu den Sternen gesellen sich die Blitzlichter der fotografierenden Touristen, doch das ist nicht alles: Der Karneval in Venedig ist viel mehr.

Ein nicht zu versäumendes Erlebnis sind die Faszination, die Kunst, die Geschichte und das nie gelüftete Geheimnis dieser zeitlosen Stadt, der Karneval führt Bewunderer aus der ganzen Welt zur Entdeckung wiedergefundener lokaler Genüsse, versüßt durch bekannte einheimische Melodien, welche im Laufe der Jahrhunderte international geworden sind.

Siebenhundertfünfzig Schauspieler und fünfundzwanzig Theatergruppen, sechshundertfünfzig Musiker und dreißig Bands (insgesamt zweihundertfünfzig Stunden Unterhaltung und fast eine und ein Viertel Million Euro zur Finanzierung der gesamten Veranstaltung) sprechen für die Mitwirkung der Stadt Venedig, welche bereit ist Kreativität, Arbeit und Geld zu investieren, um stets neue Initiativen zu fördern. 40.000 Touristen kamen auf einem Schlag zur Eröffnung des letzten Karnevals.

Aber wie hat sich im Laufe der Jahrhunderte dieser venezianische Cocktail aus Zauber, Scherz, Musik, Theater, Stelzen, Schminke, Masken und guter Laune entwickelt? Dazu müssen wir etwas zurückblicken in die Vergangenheit. Weit zurück. In der Lagune kündigten die lebhaften Farben und unterschiedlichen Kostümierungen bereits im 10. Jahrhundert die kommende Fastenzeit an: um sich auf Frömmigkeit und religiösen Verzicht vorzubereiten, leisteten sich die Venezianer einen mondänen Zeitraum, der sich durch Trasgression, Exzesse und Unterhaltung auszeichnete. Dieser Zeitraum tat der Serenissima so gut, dass er auf mehrere Monate ausgedehnt wurde, in diesen Monaten wurden die ärmsten Untertanen in die Illusion versetzt, durch die Veränderung und die anonyme Verkleidung der Oberschicht gleichwertig zu sein. So gesellten sich zu den lebhaften offiziellen Feierlichkeiten und den prunkvollen privaten Festen in den Patrizierpalästen, die in Sex- und Glücksspiele ausuferten, Gaukler, Puppenspieler, Tänzer, Seiltänzer, Musiker und Straßenkünstler aller Art auf allen venezianischen Plätzen.

Diese Tradition hält bis heute an. Der Flug des Türken verwandelte sich im Laufe der Jahre zum Flug der Taube, bis zum heutigen Engelsflug. Unterschiedliche Akteure für denselben Vorgang: zuerst ein Akrobat, dann eine Holztaube und schließlich ein Mädchen mit Flügeln werfen sich von der Spitze des Campanile an einem Seil entlang auf die Menschenmenge vor dem Dogenpalast, jedes Jahr ein umwerfendes Erlebnis wie beim ersten Mal. So erzählt uns die Geschichte das, was der Karneval von Jahr zu Jahr wieder neu belebt.

Pantalone, Colombina, Balanzone, Brighella und der Harlekin sind die Figuren aus der Commedia dell'aArte aus dem 16. Jahrhundert. Bussolai, Baicoli, Zaeti, Golosessi, Frittelle und Galani sind typisches Karnevalsgebäck und ziehen seit Jahrhunderten Feinschmecker an. "La vedova scaltra", "Le massere", "I rusteghi" sind Theaterstücke aus der Feder Carlo Goldonis und sind bis heute aktuell. Gaukler, Feuerspucker, Jongleure, Puppenspieler, Seiltänzer und Feuerwerke erwachen jedes Jahr zu neuem Leben und versammeln auf dem Markusplatz bis zu fünfhunderttausend Personen.

Und falls jemand von denen noch gefragt wird, ob Venedig der Karneval sei, so werden sie höflichst antworten: "Venedig ist der Karneval? Nein, meine Damen und Herren: der Karneval ist Venedig!"