

Mit dem Fest der Salute in Venedig erneuern die Venezianer Jahr für Jahr ihren Dank an die Mutter Gottes, die sie im Jahr 1630 vor der schrecklichen Pestpidemie gerettet hat. Am 21. November organisieren sie jedes Jahr Prozessionen und Heilige Messen in der Kirche der Salute, die am 21. November vor vielen Jahrhunderten vom Architekten Baldassarre Longhena zu Ehren der Jungfrau Maria errichtet wurde. Die Kirche Madonna della Salute befindet sich am Kreuzpunkt des Canal Grandes mit dem Becken von San Marco und beherbergt an diesem Tag die vom Patriarchen von Venedig angeführte Prozession, die vom Markusplatz aus über eine 62 Meter lange und eigens zu diesem Zweck errichtete Pontonbrücke die Kirche erreicht.
An diesem Tag ist es Tradition und auch Ausdruck des Glaubens, eine Kerze in der Kirche anzuzünden, zum Dank für die von der Gottesmutter gewährte Rettung vor der Pest und als Fürbitte für die Gesundheit der eigenen Person und der Familie. Deshalb gibt es an diesem Tag vor der Kirche eine Menge an Verkaufsständen, die Kerzen in allen möglichen Formen anbieten. Aber auch Luftballons, Spielzeuge, Krapfen und Süßigkeiten aller Art werden zum Verkauf angeboten. An diesem Tag isst man die "Castradina", ein Gericht mit Hammelfleisch, welches den Venetianers während der Pestpidemie aus Dalmatien zur Verfügung gestellt wurde. Die Hommage an die Treue des befreundeten Volkes setzt sich also in dieses Rezept um und ist zum typischen Gericht an diesem Feiertag geworden.
Die Pestpidemie, wie sie vom Manzoni in den "Promessi sposi" beschrieben wurde, kam pünktlich 1630 auch in Venedig an, sie nahm fünfzigtausend Seelen mit sich, gerade eben fünfzig Jahre nach der ersten Epidemie. Die Venezianer hatten aber aus dieser Erfahrung gelernt, und so entstand zusätzlich zur Redentore-Kirche fünfzig Jahre danach die Kirche Madonna della Salute.
Salute bedeutet Gesundheit, diese erreichte die Venezianer bald und so verstärkte diese Erfahrung auch den Glauben an die Jungfrau Maria. Ihr zu Ehren werden jedes Jahr die Prozession und die Heilige Messe abgehalten, die Pontonbrücke gebaut und hunderte von Kerzen angezündet.
Das ist das Fest der Madonna Della Salute, das die Venezianer am 21. November feiern. Ihre Krone, das Symbol ihrer Jungfräulichkeit, nimmt in den den Außenlinien der Kirche Form an, nie vorher wurde ein so imponentes Bauwerk errichtet.
Vergessen wir nicht, dass die Venezianer nicht nur sehr religiös sind, sondern auch einen ausgesprochenen Geschäftssinn besitzen. Daraus erklären sich die unzähligen Verkaufsbuden, die an diesem Tag auf dem halbkreisartigen Platz vor der Kirche ihre Waren feilbieten. Das Spektrum reicht von den verschiedenen Kerzen bis hin zu Luftballons, Kinderspielzeug und Süßigkeiten: so vereinen die Venezianer die Gefühle ihres Volkes mit dem Profit!